Zum Inhalt springen

Was wird uns bleiben? Was soll uns bleiben? Was ist schon weg? Und was kommt jetzt?

Was wird uns bleiben? Was soll uns bleiben? Was ist schon weg? Und was kommt jetzt?

von Thomas Kaestle

[Stadt im Umbruch: Welche Rolle spielt dabei die Kunst? Im Zuge der Umbauarbeiten am ehemaligen Maritim Grand Hotel Hannover am Friedrichswall, direkt gegenüber des Neuen Rathauses, wurde im Jahr 2022 Werner Schreibs Fassadenrelief Monument für Reisende, Monument for Travellers, Monument pour Voyageurs aus dem Jahr 1965 entfernt und eingelagert. Schreib hatte auch Teile der ursprünglichen Innenausstattung für das als Hotel Intercontinental eröffnete Gebäude entworfen.]

Reisende

Werner Schreibs Fassadenrelief Monument für Reisende, Monument for Travellers, Monument pour Voyageurs aus dem Jahr 1965 ist erstmal weg. Eine Zeit lang stand es noch zusammen mit der Mauer, an der es einst als Kunst am Bau befestigt worden war, als allerletztes Fragment des Vorbaus des ehemaligen Maritim Grand Hotel Hannover am Friedrichswall. Nun ist es eingelagert. Ob, in welcher Form und an welchem Ort es irgendwann Teil des fertiggestellten und neu eröffneten Hotels sein wird, ist noch nicht öffentlich bekannt. Günter Kämpfes Emailletafel ohne Titel von 1971, die an einem Küchenanbau hinter der Rückseite des Hotels angebracht war, ist bereits 2021 in einem Lager verschwunden. Anders als Schreibs Relief ist sie in städtischem Besitz und wird wohl irgendwann 2023 oder 2024 vom Kulturbüro der Landeshauptstadt neu platziert – mit neuen, hoffentlich fruchtbaren Blick- und Ortsbezügen.

Ebenfalls bereits 2021 fand Erich Hausers Arbeit Stahlwand 1968 einen neuen Standort im Gutspark Bemerode, ruhig, geschützt und beschaulich im Vergleich zum Gehweg vor dem enercity-Heizkraftwerk in Hannover Linden-Nord, gleich hinter der Brücke über die Ihme, wo sie bis 2017 stand – zuletzt zwar regelmäßig gereinigt, davor jedoch bis zur Unkenntlichkeit als Plakatwand missbraucht. Bereits 2015 wanderte Hausers Arbeit 5/81 („Stahlkugelblätter“) vom Eingang des Sprengel Museums hinter dessen neuen Anbau, um Platz für Alice Aycocks Another Twister zu schaffen. Wie Hausers Objekte Stadträume ikonisch zu prägen vermögen, zeigen Stahlrelief 1965 an der Fassade der Städtischen Galerie KUBUS in der Ebhardtstraße und 17/87 („Stählerner Engel“) als Teil der hannoverschen Skulpturenmeile in der Brühlstraße. Unter anderem darüber haben wir uns im Dezember 2022 mit Juliane Flittner, der Geschäftsführerin der Kunststiftung Erich Hauser in Rottweil, in einem Forum unterhalten.

Rückkehr nach zehn Jahren

Im Jahr 2023 wird schließlich ein ausgesprochen beliebtes Objekt in den Stadtraum Hannovers zurückkehren, eines, nach dem auch das Team von Kunst umgehen in den vergangenen Jahren immer wieder gefragt wurde: Seit 2013 fehlt Diamant II von Sanford Wurmfeld vor der Sparkasse in der Karmarschstraße. Die Arbeit wurde dort 1972 im Rahmen des Experiments Straßenkunst installiert. Leider überdauerte sein Material die Jahrzehnte nicht unbeschadet. Das empfindliche Plexiglas, das die durchsichtig farbigen Flächen des Diamant II bildete, war nach mehr 40 Jahren nicht mehr durch bloßes Reinigen zu retten. Das Objekt wurde abgebaut und ein Restaurator beauftragt, sich seiner anzunehmen. Eine anspruchsvolle Aufgabe: Wo lassen sich heute Plastikflächen in den originalen Farben herstellen? Wie kann eine höhere Haltbarkeit gewährleistet werden? Der in den USA lebende Künstler musste zurate gezogen werden, die Sache wurde kompliziert…

Vor wenigen Wochen hat der Bezirksrat Mitte nun die Wiederaufstellung von Wurmfelds Diamant II beschlossen – nach anfänglichen Bedenken. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung zitiert am 11. November 2022: „FDP-Mann und Klempnermeister Wilfried Engelke ärgerte sich im Bezirksrat: „Wenn ich ein Badezimmer einbaue und es bricht schon nach 20 Jahren zusammen, dann bekomme ich nicht ein zweites Mal den Auftrag“. Er sieht die Ausgabe von rund 100.000 Euro in Zeiten leerer Kassen und tiefgreifender Sparmaßnahmen kritisch.“ Ich finde allerdings: Die Wiederkehr sollte sogar gefeiert werden und wäre vielleicht sogar eine gute Gelegenheit, endlich das 50jährige Jubiläum des Experiment Straßenkunst zu begehen, das noch bis 2024 andauert und bislang nur im Rahmen eines digitalen Festaktes bei Kunst umgehen öffentliche Beachtung fand.

[Diamant II von Sanford Wurmfeld nach seiner Aufstellung vor der Sparkasse in der Karmarschstraße.]

Mit Dynamiken umgehen

Ich betone es bei meinen Führungen, ob digital oder analog, immer wieder hartnäckig: Stadträume entwickeln sich dynamisch und rasant, die Kunst bleibt dabei oft einfach stehen und verliert den Anschluss an Orte, mit denen sie einst Bezüge entwicklelt hatte. Und auch der beliebte Eindruck, viele Objekte stünden schon immer genau dort, wo sie sich heute befinden und seien deshalb im Sinne eines Festklammerns am Bewährten, Traditionellen für jede Veränderung tabu, trügt massiv: Selbst die Kunst ist in ständiger Bewegung, muss sich neu einlassen und neu wahrgenommen werden. Auch das Historische ist dynamischer als es oft scheint.

Das Jahr 2022 war in Hannover jedoch auch eines der intensiven Beschäftigungen mit zeitgenössischen Dynamiken von Stadt und Kunst. Der Landesverband Soziokultur in Niedersachsen und die Stiftung Niedersachsen luden zum Beispiel auf den Andreas-Hermes-Platz für ihre Tagung Entdeckungsreise zu Gebieten von besonderem Interesse – Kunst und Kultur als Entwicklungsfaktor für Städte und Regionen ein. Sie hatten Künstler*innen eingeladen, die an der Schnittstelle zu Stadtentwicklungsprozessen arbeiten, in Workshops ihre Methoden zur gemeinsamen, niedrigschwelligen Annäherung an Räume zu demonstrieren.

Ich schrieb in meiner Überblicksführung Kunst und Dazwischen: „Der Kommunikationsstratege Axel Watzke aus Berlin, der mit der Agentur studiovorort auch in der kreativen Regionalentwicklung tätig ist, bringt in seinem Workshop Soziokultur auf einen gut nachvollziehbaren Nenner: In der Stadt bilden sich internationale Fragestellungen wie zum Beispiel schwindende Solidarität ab, Soziokultur (wie auch Kunst) kann dabei das Große im Kleinen exemplarisch erfahrbar machen. Watzke plädiert für Offenheit und Innovation: „Man kann nicht neue Herausforderungen mit alten Werkzeugen lösen!““

Anschlussfähig bleiben und Widersprüche aushalten

Ebenfalls 2022 veranstaltete das Planungsbüro endboss in Hannover die Konferenz you promised me a city im Auftrag der Initiative Nationale Stadtentwicklungspolitik. Dabei stand im Zentrum die Frage nach Formen des Diskurses, der Auseinandersetzung, des Streitens: Wie lässt sich Offenheit auch bei so komplexen und folgenreichen Prozessen wie denen der Stadtgestaltung und -entwicklung bewahren? Dilek Ruf, Landesvorsitzende des Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA, fragte am Rande der Konferenzeröffnung im persönlichen Gespräch: „Wer hat die Deutungshoheit über die Stadt?“ Sie erklärte: „Wir gestalten Zukunft, wir müssen dabei vorausschauen und dürfen nicht in geschlossenen Gruppen denken.“

Ich schrieb in meiner Überblicksführung Kunst und Dazwischen: „endboss war bei you promised me a city offenbar auch interessiert daran, starke Bilder zu erzeugen und löste dabei durchaus ein Stück Postdisziplinarität ein: mit installativen oder performativen künstlerischen Formaten. Schade nur, dass die 300 zumeist jungen Stadtmacher*innen, die an der Konferenz teilnahmen, sich kaum mit Künstler*innen, Kurator*innen, Kunstvermittler*innen oder Kulturpolitiker*innen durchmischten – sie blieben bei ihren lebendigen Diskursen zu oft in der eigenen Blase.“ Und weiter: „Es geht darum, unterschiedliche Stimmen nebeneinander aushalten zu können“, sagte der Hamburger Künstler Martin Muth, der einen diskursiven Fight Club zu Aspekten von Repräsentation und Repräsentanz in einem Boxring unter dem Ihme-Zentrum moderierte.“

Teilhabe ohne Rechthaberei

Auch im Projekt enlightening the parliament der Kunstvermittlung des Instituts Freie Kunst der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig unter der Leitung von Prof. Martin Krenn, das im Sommer 2022 auf dem Platz der Göttinger Sieben mit Klanginstallationen und Videoprojektionen auf den Niedersächsischen Landtag zu dessen 75-jährigem Jubiläum stattfand, ging es um das Aushalten von Widersprüchen – zumindest in einem meiner Videostatements. Carlotta Oppermann hatte mich zu Demokratie und Teilhabe befragt und mir war wichtig zu betonen, dass Demokratie eben nicht bedeutet, immer egoman die eigene Meinung oder Haltung durchsetzen zu können. Vielmehr ist sie eine beständige Herausforderung, sich zu den Meinungen und Haltungen von Mehrheiten zu verhalten, durchaus aktiv, einfallsreich und engagiert. Sich nicht immer mit allen Positionen durchsetzen zu können, darf kein Argument gegen das Ausüben von Teilhabe sein.

Am 10. September 2022 eröffnete ich in der kleinen Gemeinde Jesteburg im Landkreis Harburg mein niedersächsisches Modellprojekt Jesteburger Bürger*innen-Akademie zu Kunst in öffentlichen Räumen, welches noch bis Juli 2023 zwischen kultureller Bildung und künstlerischer Praxis möglichst breite Informationsangebote zu potentiellen ästhetischen Haltungen und Herangehensweisen an öffentliche Räumen machen wird – ähnlich wie bei Kunst umgehen gebündelt in einem digitalen Archiv. Es zielt auf langfristige Lern- und Bewusstseinsprozesse, um nach einem gescheiterten Projekt im öffentlichen Raum vor einigen Jahren Bürger*innen und Entscheider*innen in die Lage zu versetzen, mündige kulturelle und kulturpolitische Entscheidungen treffen zu können. Es geht also auch hier letztlich um Teilhabe – verbunden mit Fragen wie: „Wen kann ein Kulturprojekt erreichen, wen muss es erreichen, wie lassen sich Demokratie und Repräsentation einlösen?“; „Wie lassen sich allzu hartnäckige Überzeugungen und Voreingenommenheiten aufbrechen, wodurch lassen sich verkrustete Strukturen aufbrechen?“

Digitale und analoge Erfahrungen nicht gegeneinander ausspielen

Eine möglichst große Bandbreite von Perspektiven auf hohem Niveau soll das Jesteburger Bildungsangebot beständig erweitern – in einer Mischung aus exemplarischen Künstler*innen-Workshops vor Ort und digitalen Berichten, Reflexionen, Vorträgen und Tagungen. Eine digitale Hannover-Exkursion, das Nachgespräch mit Katherine Heid von der Kulturpolitischen Gesellschaft zu ihrem Gastvortrag bei der Eröffnung der Akademie, den Bericht zu Jan Fischers Recherche, Workshop und Rückblick, die Aufzeichnung des Online-Vortrags von Holger Bergmann vom Fonds Darstellende Künste, eine digitale Hamburg-Exkursion, den Bericht zu Jan Holtmanns Recherche, Workshop und Rückblick sowie den Bericht zu Frank Nordieks Recherche, Workshop und Rückblick finden sich bereits im Veranstaltungsarchiv.

Die Jesteburger Akademie und das digitale Kunst umgehen funktionieren nach ähnlichen Prinzipien. Sie erzeugen räumlich und zeitlich unabhängige Online-Archive, die keine Anwesenheit bei einer eingeschränkt zugänglichen Veranstaltung erfordern. Dabei unterliegen sie selbstverständlich eigenen Hemmschwellen und Beschränkungen: Digitale Inhalte erfordern ebenso Ressourcen – wie zum Beispiel Hardware und Software, Bildung oder Zeit. Dennoch wäre es naiv, zu glauben, Diskurse, Betrachtungen und Erfahrungen könnten sich durch digitale Platformen zu sehr von realen öffentlichen Räumen entfernen. Wir alle nutzen auch weiterhin alltäglich analoge Räume. Doch diese verändern sich, nicht erst seit der Covid-19-Pandemie, aber inzwischen immer schneller. Innenstadtentwicklung wird zu einer zunehmend größeren Herausforderung. Also kann es keine Lösung sein, sentimental auf überkommene Lösungen zu setzen. Es wird umso wichtiger, sich zugleich digitalen wie analogen Realitäten auszusetzen, um solide Erfahrungsgrundlagen für innovatives Handeln zu schaffen. Auf einige dieser Aspekte wies ich zu Beginn des Jahres in meinem Ausblick hin.

Rote Fäden und aktuelle Assoziationen

Es wird zunehmend darum gehen müssen, Zusammenhänge herzustellen, nicht nur zwischen analogen und digitalen Erlebnissen. Auch unsere Stadtraum-Erfahrung wird erst durch Heterogenität lebendig, durch Nutzungsmischungen, Begegnungs- und Diskursräume – aber vor allem durch eine Vielzahl von Geschichten und Ideen, die es gilt, immer wieder neu lesbar zu machen: durch rote Fäden und Gesprächsangebote. Idealerweise finden solche Kontextualisierungen mit Leichtigkeit statt, spielerisch, individuell und flexibel. Das Team von Kunst umgehen hat dies zu Beginn des Jahres mit dem Überblick Kunst und Assoziation erprobt, bei dem wir uns gegenseitig herausgefordert haben, zu Themen zu brainstormen: zum Beispiel zu Freiheit, Wirklichkeit, Poesie, Marketing, Dauerhaftigkeit, Kommunikation, Material/Inhalt oder Stadt/Land.

Im Überblick Kunst und Dazwischen versuche ich, eine analoge Route durch den Stadtraum mit aktuellen Assoziationen aufzuladen, immer wieder gedankliche Exkurse anzubieten. Es geht um das Hinterfragen von Definitionen, das Aufbrechen von Begriffen, um postdiziplinäre Stadtentwicklungsdiskurse, Unorte und Leerstellen, deren Potenziale und Gefahren, um Machtbehauptungen, Mittelstreifenkunst und temporäre Projekte, um den Innenstadtdialog, das Kulturdreieck, Foyeröffnungen, das Projekt Städtoskoop, Referenzen zur Kulturhauptstadtbewerbung, um halböffentliche Räume, Leerstand, Wege durch die Stadt, kommerzielle Räume, Aufenthaltsqualität und soziale Brennpunkte.

In unseren Foren mit dem Bildhauer Hartmut Stielow und dem Performancekünstler Simon Pfeffel haben wir in diesem Jahr nach roten Fäden in künstlerischen Biografien und konzeptuellen Ansätzen gesucht und sind auf langfristige Auseinandersetzungen mit Material, Haltungen, Identifikationspotenzialen, Ortsbezügen, Fragen nach Dauerhaftigkeit und Skulpturalität gestoßen.

Kuratorische Perspektiven

Im Forum mit Christoph Platz-Gallus schließlich, seit März neuer Direktor des Kunstvereins Hannover, ging es um das Entwickeln kuratorischer Positionen und Perspektiven in Festivalzusammenhängen über einen Zeitraum von 15 Jahren – und darum, wie sich Erfahrungen aus Münster, Kassel, Athen und Graz so fokussieren lassen, dass sie nun in der ältesten Kunstinstitution Hannovers (und einem der ältesten und größten Kunstvereine Deutschlands) Früchte tragen können. Vor einer knappen Woche erschien außerdem mein Porträt über Platz-Gallus in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, das mir erlaubte, einige Zusammenhänge weiter zu schärfen, auch solche, die für Hannovers öffentliche Räume von Bedeutung sein können.

Im Artikel schreibe ich: „Seine Leidenschaft für Diskurse bringt er aber mit. Er ist überzeugt: „Wir müssen wieder eine gesellschaftliche Gesprächskultur herstellen.“ Kunst sei dabei ein Mittel der Auseinandersetzung, der Befragung von Lebensrealitäten, und dürfe keine hermetische Blase sein.“ Und: „Der Kunstverein Hannover hat aktuell über 1.400 Mitglieder und ist damit einer der größten. Für Platz-Gallus ist der Umgang mit ihnen zentral: „Wie erreiche ich die 300, die immer kommen — und wie erreiche ich die 1.100 anderen?“ Darüber hinaus bleibe die Herausforderung, ganz neue Zielgruppen zu erreichen. Der Kunstverein sei die älteste Kunstinstitution in der Stadt und es gehe darum, ihm wieder zu mehr Wahrnehmung zu verhelfen.“

[Christoph Platz-Gallus ist der neue Direktor des Kunstvereins Hannover – im Hintergrund das Künstlerhaus Hannover und Stephan Hubers Installation Das große Leuchten (Foto: Mathias Voelzke).]

Orte der Auseinandersetzung

Weiterhin schreibe ich: „Platz-Gallus begrüßt deshalb die Initiative der Landeshauptstadt rund um ein Kulturdreieck zwischen Künstlerhaus, Schauspielhaus und Opernhaus: „Ich finde die Idee sehr gut, Innenstadträume über Kultur prägen zu wollen.“ Theater und Kunstvereine seien in den Siebziger- und Achtzigerjahren noch Orte der Auseinandersetzung auch für jüngere Generationen gewesen. Heute fänden solche Diskurse eher in öffentlichen Räumen statt, zum Beispiel im Rahmen von Fridays For Future. Da gelte es zu fragen: „Welche Plattformen können wir bieten und wofür?“ Platz-Gallus glaubt an die Kraft temporärer Kunstprojekte, öffentliche Räume zu aktivieren — in dieser Hinsicht ging sein Kunstverein schließlich bereits vor 50 Jahren mit dem Experiment Straßenkunst mutig ins Risiko und setzte bundesweit Maßstäbe.“

Schließlich: „“Mich interessieren performative Formate, unmittelbare Reaktionen auf urbane Realitäten“, sagt Platz-Gallus. Die historische Dichte der Kunst im öffentlichen Raum in Hannover sei auch das Ergebnis autoritärer Setzungen. Platz-Gallus sieht sich herausgefordert, hier kritisch zu agieren, wie er betont: „Wie bringt man da Künstler ein, die Fragestellungen aus dem Hier und Jetzt thematisieren — und nicht abstrakte skulpturale Arbeiten beitragen, über die dann eine nächste Generation wieder stolpert?““

Verdichtung

Die Kunst in Hannovers öffentlichen Räumen ist 2022 weiter in Bewegung geraten – zumindest zunächst die Diskurse, die sie beeinflussen könnten. Während die historischen Kunst immer wieder auf Wirksamkeit und Kontexte ihrer (teils neuen) Standorte befragt werden muss, verdichten sich auch die Gewissheiten um die Notwendigkeit einer Dynamik zeitgenössischer Kunst. Dabei halte ich es für wesentlich, dass auch Kunst nachhaltig gedacht wird, dass Synergien gesucht werden und gesellschaftliche Relevanz über persönlichen Eitelkeiten steht. Kunst braucht persönliche Visionen und den Mut, Neues zu wagen, keine hochglänzenden Superlative.

Das Ziel von Kunst sollte Verdichtung und Entwicklung sein, nicht Wachstum. In diesem Sinne möchte ich diesen Beitrag mit einer Lecture Performance des Hamburger Künstlers Armin Chodzinski abschließen:

%d Bloggern gefällt das: