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Kunst umgehen als Vermittlungsprogramm

Kunst im öffentlichen Raum hat in Hannover eine lange Tradition und einen hohen Stellenwert: Im Lauf der Jahrzehnte wurden mehr als 200 Skulpturen, Plastiken und Installationen im Stadtraum platziert. Kaum eine andere deutsche Stadt weist eine so hohe Dichte an künstlerischen Objekten auf. Als eine der ersten deutschen Kommunen holte sich die niedersächsische Landeshauptstadt in den Jahren 1969 bis 1974 mit dem Straßenkunstprogramm zeitgenössische Kunst gezielt in öffentliche Räume.

Einiges davon ist geblieben, vieles hinzugekommen. Wer heute auch nur kurze Distanzen in der Innenstadt zurücklegt, kann die Kunst nicht umgehen, wird auf Schritt und Tritt mit historischen und aktuellen Objekten konfrontiert. Sie sind zum Teil des städtischen Gefüges geworden – oft so sehr, dass sie gar nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Dabei bergen sie auf den zweiten und dritten Blick Überraschungen und Erkenntnisse, Geschichte und Geschichten, Perspektiven und Anreize.

Mit der passenden Herangehensweise ergeben sich immer neue Möglichkeiten, mit der Kunst umgehen zu können, sie als Ausgangspunkte zu nutzen für Neues und Eigenes. Mit den für Bürger*innen und Besucher*innen Hannovers entwickelten Vermittlungsangeboten, die wir in diesem Faltblatt vorstellen, möchten wir im Auftrag des Kulturbüros der Landeshauptstadt alle Interessierten auffordern, mit der oft gar nicht (mehr) bewusst wahrgenommenen Kunst im Stadtraum im wahrsten Sinne des Wortes etwas anfangen zu können.

Mit unterschiedlichsten Blickwinkeln aus Kunst und Wissenschaft wollen wir gemeinsam um die Kunst gehen, dabei neugierig werden, einen Überblick gewinnen, bestimmte Aspekte in den Fokus rücken und schließlich aktiv die Perspektiven wechseln. Eine gezielte Wahrnehmung der Kunst im öffentlichen Raum schließt auch deren Orte mit ein – und lässt uns im Idealfall auch anders mit der Stadt umgehen.

Unsere Formate:

Bei Kunst umgehen: Überblick geht es um Entwicklung und Status Quo der Kunst im öffentlichen Raum Hannovers, um Fragen nach Zusammenhängen, Perspektiven und Wahrnehmungsmöglichkeiten: Sie erleben themengebundene Spaziergänge zu wechselnden Schwerpunkten.

Das GPS bietet Gespräche zu ausgewählten Objekten – mitten im öffentlichen Raum. Im Zentrum stehen Expert*innen wie zum Beispiel Künstler*innen, Planer*innen oder Autor*innen.

Kunst umgehen: Sprechstunde präsentiert Führungen mit besonderen Gästen: Expert*innen erläutern uns ihren speziellen Blick auf Kunst und Stadt und diskutieren ihre Erfahrungen und Fachkenntnisse in moderierten Gesprächen.

Kunst umgehen: Sculpture Transfer präsentiert künstlerische Übertragungsprozesse in diesem Jahr anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Experiment Straßenkunst. Als Performerinnen nehmen die Vermittlerinnen jeweils ein ausgewähltes Objekt zum Anlass für Interventionen.

Im Rahmen von Kunst umgehen: Forum laden wir Expert*innen ein, uns in Vorträgen und Gesprächen ihre Perspektiven auf Kunst und Stadt zu präsentieren und zu erläutern – danach lassen wir uns auf aktuelle Diskurse zu Aspekten des Themas ein.

Vermittlerinnen und Vermittler:

Anna Grunemann und Christiane Oppermann sind seit ihrem Meisterschülerabschluss national und international tätig und erhielten eine Vielzahl renommierter Stipendien und Preise. Als freischaffende Künstlerinnen und Initiatorinnen diverser Kunstprojekte arbeiten sie seit Jahren im öffentlichen Raum. Ihre partizipativen und performativen Ansätze und Strategien aus der Kunst bringen sie ‚natürlich‘ in kunstvermittelnde Tätigkeitsbereiche ein. Mit allen Altersgruppen erfahren, haben sie Mittel und Wege der Kunstvermittlung für Einsteiger*innen und Kunstkenner*innen umfassend trainiert. So zum Beispiel im Kunstverein Hannover und anderen Kunst- und Kulturinstitutionen sowie im Kontext von (Hoch-) Schulen, Kindergärten und freien Projekten. Für das Vermittlungsprogramm Kunst umgehen des Kulturbüros der Landeshauptstadt Hannover schöpfen die beiden Künstlerinnen aus einem breiten Fundus von Sichtweisen und Zugangswegen. Sie haben partizipative Formate kreiert, die dazu einladen, den Stadtraum und die Kunst neu und aus anderen Perspektiven wahrzunehmen. Die Künstlerinnen begleiten die Teilnehmer*innen in den verschiedenen Formaten teilweise abwechselnd, teilweise gemeinsam.

Thomas Kaestle nähert sich künstlerischen Phänomenen als Kulturwissenschaftler mit interdisziplinärer Perspektive. Seit 20 Jahren steht Kunst in öffentlichen Räumen im Mittelpunkt seiner Forschung, Lehre und kuratorischen Praxis. Dabei spielen auch Aspekte aus Kulturpolitik und Urbanistik eine wichtige Rolle. Er initiierte und betreute internationale Tagungen, Workshops und Wettbewerbe zu Kunst in öffentlichen Räumen und war an zahlreichen Beiräten und Jurys beteiligt. Unter anderem ist er Mitglied der Kommission für Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Hannover und ist Autor eines umfangreichen Gutachtens sowie der Faltblattreihe Kunst in der Stadt. Für die Hannoversche Allgemeine Zeitung schreibt er außerdem als Kulturjournalist regelmäßig über die kulturellen Szenen der Stadt.

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